Die christlichen Parteien Deutschlands tragen das Kreuz im Namen. Doch genügt ein Buchstabe, um Christus zu repräsentieren? Ein Blick in die Heilige Schrift zeigt: Wahres Christsein fordert mehr.
Es ist eine Frage, die viele Gläubige umtreibt und die auch außerhalb der Kirchenmauern Beachtung findet: Kann eine politische Partei, die sich das „C“ für „christlich“ auf ihre Fahnen schreibt, diesem Anspruch wirklich gerecht werden? Die Christlich Demokratische Union (CDU) und die Christlich-Soziale Union (CSU) tragen diesen Buchstaben seit ihrer Gründung wie ein Siegel, wie ein Versprechen. Doch immer wieder erschüttern Skandale, Verfehlungen und moralische Abgründe einzelner Mitglieder und Abgeordneter das Vertrauen der Menschen.
Die Frage, die sich dann unweigerlich stellt, lautet: Ist dieses „C“ mehr als nur ein politisches Etikett? Verpflichtet es tatsächlich zu einem Leben nach den Maßstäben Jesu Christi und der Heiligen Schrift?
Die Heilige Schrift selbst gibt uns klare Antworten, und sie sind ernüchternd und zugleich hoffnungsvoll. Unser Herr Jesus Christus hat niemals gesagt, dass es genüge, sich „christlich“ zu nennen. Vielmehr warnt er eindringlich vor jenen, die seinen Namen auf den Lippen tragen, aber ihr Herz fern von ihm ist.
In Matthäus 7,21-23 spricht Christus selbst: – Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen! Diese Worte sind von erschütternder Klarheit. Es geht nicht um das Bekenntnis allein, nicht um den Namen, den man sich gibt, sondern um die Tat, um das Leben, das dem Wort Gottes entspricht.
Nun mag mancher einwenden, eine politische Partei sei kein Mensch, keine Person, die persönlich vor Gott stehen müsse. Das ist wahr. Doch eine Partei besteht aus Menschen, und jeder einzelne von ihnen trägt Verantwortung vor Gott. Wenn eine Partei sich „christlich“ nennt, dann erhebt sie einen Anspruch, der über das Politische hinausgeht. Sie beruft sich auf eine Wahrheit, die ewig ist, auf einen Maßstab, der nicht von Menschen gemacht wurde, sondern von Gott selbst gesetzt ist. Und dieser Maßstab duldet keine Halbherzigkeit, keine doppelte Moral, keine Heuchelei.
Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer im 2. Kapitel, Verse 17 bis 24: – Siehe, du nennst dich einen Juden und verlässt dich auf das Gesetz und rühmst dich Gottes und kennst den Willen und verstehst zu prüfen, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist; und du traust dir zu, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in der Finsternis sind, ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, der die Verkörperung der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat: Nun also, du lehrst andere, dich selbst aber lehrst du nicht? Du predigst, man solle nicht stehlen, und stiehlst selbst? Du sagst, man solle nicht ehebrechen, und brichst selbst die Ehe? Du verabscheust die Götzen und begehst dabei Tempelraub? Du rühmst dich des Gesetzes und verunehrst doch Gott durch Übertretung des Gesetzes? Denn der Name Gottes wird euretwegen gelästert unter den Heiden, wie geschrieben steht.
Diese Worte des Paulus treffen ins Mark. Sie richten sich ursprünglich an religiöse Heuchler seiner Zeit, doch ihr Prinzip ist zeitlos. Wer sich auf Gott beruft, wer seinen Namen trägt, wer vorgibt, nach seinen Geboten zu leben, der steht unter einem erhöhten Anspruch. Und wenn dieser Anspruch nicht eingelöst wird, wenn das Leben der Verkündigung widerspricht, dann wird der Name Gottes gelästert. Genau das geschieht, wenn Mitglieder einer christlichen Partei in Korruption, Betrug, Doppelmoral, Unmoral oder Machtmissbrauch verstrickt sind. Die Welt sieht es, die Medien berichten, und das Christentum selbst wird in Verruf gebracht. Das „C“ wird zur Farce, zum leeren Symbol, das mehr schadet als nützt.
Wer also in Deutschland gegen Leihmutterschaft auftritt, Verbote erlässt und zugleich in die USA reist, um die eigene Rechtsordnung zu umgehen, der spottet Gott. Er macht das Christentum lächerlich und verhöhnt das Gebot der Gerechtigkeit, da doch im Grundgesetz geschrieben steht: „Vor dem Gesetz sind alle gleich“ (GG 3 Absatz 1). Solches Tun ist nicht nur Doppelmoral, sondern ein Schlag ins Angesicht dessen, dessen Namen man zu tragen vorgibt.
Doch hier dürfen wir nicht vorschnell urteilen oder pauschal verurteilen. Die Heilige Schrift lehrt uns auch Demut und Selbsterkenntnis. In Römer 3,23 heißt es: – Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten. Kein Mensch ist ohne Sünde, kein Christ ohne Fehler, keine Organisation ohne Makel. Die Frage ist nicht, ob Fehler geschehen, sondern wie mit ihnen umgegangen wird. Gibt es echte Buße? Gibt es Umkehr? Gibt es die Bereitschaft, sich unter Gottes Wort zu beugen und Rechenschaft abzulegen? Oder herrscht eine Kultur der Vertuschung, der Selbstrechtfertigung, des politischen Kalküls?
Der Reformator Martin Luther, dessen Sprache und Geist wir hier atmen wollen, hat in seiner berühmten ersten These gesagt: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße usw., hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ Buße ist nicht ein einmaliger Akt, sondern eine Haltung des Herzens, eine fortwährende Umkehr zu Gott. Wo diese Haltung fehlt, da ist das Bekenntnis zu Christus hohl und leer. Eine Partei, die sich christlich nennt, muss sich fragen lassen, ob sie Raum für Buße schafft, ob sie Strukturen hat, die Verantwortung und Rechenschaft ermöglichen, ob sie bereit ist, sich an den Maßstäben der Heiligen Schrift messen zu lassen.
Es ist auch wichtig zu verstehen, dass Politik und Glaube nicht getrennt werden können, wenn man das „C“ ernst nimmt. Und das gilt nicht nur für Programme und Parteitagsreden, sondern für jeden einzelnen Politiker, der das „C“ im Namen seiner Partei trägt – ob er persönlich ein Christ ist oder nicht. Denn das „C“ ist keine Zierde, kein Schmuckbuchstabe, kein historisches Relikt. Es ist eine Verpflichtung. Wer es führt, steht unter dem Anspruch dessen, dessen Namen es bezeichnet. Wer das „C“ trägt, bekennt sich damit zu Christus – und wer Christus bekennt, darf nicht anders leben, reden und handeln als in seinem Licht. Alles andere ist Heuchelei und macht das Evangelium verächtlich vor der Welt.
Jesus selbst hat nie eine politische Partei gegründet, aber er hat klare ethische und moralische Prinzipien gelehrt. Er sprach von Gerechtigkeit, von Barmherzigkeit, von Wahrheit, von der Liebe zu Gott und zum Nächsten.
In Matthäus 22,37-40 sagt er: – Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das erste und größte Gebot. Und das zweite ist ihm vergleichbar: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängen das ganze Gesetz und die Propheten. Diese Gebote sind nicht nur für das private Leben gedacht, sondern sie sollen das gesamte Handeln eines Christen bestimmen, auch das politische. Wer sich christlich nennt und politische Verantwortung trägt, der muss sich fragen: Dient mein Handeln der Liebe zu Gott und zum Nächsten? Fördere ich Gerechtigkeit? Schütze ich die Schwachen? Sage ich die Wahrheit, auch wenn sie unbequem ist?
Die Gefahr ist groß, dass das „C“ zu einem Marketing-Instrument verkommt, zu einem Mittel, um christliche Wähler zu gewinnen, ohne dass eine echte Bindung an Christus besteht.
Der Apostel Jakobus ermahnt uns: – Was hilft es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann ihn denn dieser Glaube retten? Wenn es einem Bruder oder einer Schwester an Kleidung und der täglichen Nahrung mangelt, und jemand unter euch würde zu ihnen sagen: Geht hin in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr würdet ihnen aber nicht geben, was zur Befriedigung ihrer leiblichen Bedürfnisse erforderlich ist, was würde das helfen? So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er keine Werke hat, so ist er an und für sich tot. (Jakobus 2,14-17)
Und das gilt vor allem für jene sogenannten Reformen, die in Wahrheit keine Reformen sind, sondern blanker Sozialabbau – ein Abbau der Hilfe gerade bei den Schwächsten unserer Gesellschaft. Hier zeigt sich, ob das Fundament des „C“ trägt oder ob es nur Fassade ist. Denn wo die Armen übersehen werden, wo die Schwachen nicht gestützt, sondern zusätzlich belastet werden, da wird Christus nicht bekannt, sondern verhöhnt. Das „C“ ist dann kein Bekenntnis mehr, sondern ein Etikett ohne Wahrheit. Christus aber lässt sich nicht als Marke missbrauchen: Sein Name verpflichtet zu Werken der Barmherzigkeit, und wo diese fehlen, ist der Glaube tot, wie Jakobus spricht. Der Glaube ohne Werke ist tot. Ein „C“ im Parteinamen ohne entsprechendes Handeln ist ebenso tot, ebenso bedeutungslos. Es ist eine leere Hülse, ein frommer Schein.
Doch was bedeutet es konkret, christlich zu handeln in der Politik? Es bedeutet zunächst, die Wahrheit zu sprechen.
In Epheser 4,25 heißt es: – Legt das Lügen ab und sagt zueinander die Wahrheit; denn wir alle sind Glieder am Leib von Christus. Lüge, Täuschung und Manipulation sind mit dem christlichen Glauben unvereinbar. Es bedeutet auch, sich für die Schwachen und Benachteiligten einzusetzen. In Sprüche 31,8-9 wird uns aufgetragen: – Tue deinen Mund auf für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Tue deinen Mund auf, richte gerecht und schaffe Recht dem Elenden und Armen! Das ist kein Aufruf zu einer bestimmten Parteipolitik, aber es ist ein klarer moralischer Kompass. Wer sich christlich nennt, kann nicht gleichgültig sein gegenüber Ungerechtigkeit, Armut und Unterdrückung. Es bedeutet ferner, Integer zu sein, unverdorben durch Gier und Machtstreben. In 1. Timotheus 6,10 warnt Paulus: – Denn die Liebe zum Geld ist eine Wurzel für alles Böse. Manche sind ihr so verfallen, dass sie vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst die schlimmsten Qualen bereitet haben. Wie viele politische Skandale haben ihre Wurzel genau hier, in der Gier nach Geld, Einfluss und Macht?
Es ist auch von Bedeutung, dass wir als Christen nicht selbstgerecht werden. Wir dürfen nicht mit dem Finger auf andere zeigen und dabei unsere eigenen Versäumnisse übersehen. Jesus spricht in Matthäus 7,3-5: – Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen! und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders zu ziehen! Dieses Wort gilt auch für die politische Debatte. Es geht nicht darum, eine Partei zu verdammen, während wir selbst untätig bleiben. Es geht darum, dass wir alle, ob in einer Partei oder außerhalb, uns selbst prüfen und fragen, ob unser Leben Christus ehrt.
Die Verpflichtung, die das „C“ mit sich bringt, ist also real und ernst. Sie ist keine bloße Tradition, kein historisches Relikt, sondern ein geistlicher Anspruch. Wenn eine Partei dieses „C“ trägt, dann ist sie verpflichtet, sich immer wieder neu an den Maßstäben des Evangeliums messen zu lassen. Sie ist verpflichtet, Buße zu tun, wo Schuld geschehen ist. Sie ist verpflichtet, Strukturen zu schaffen, die Verantwortung fördern und Versuchung widerstehen. Und sie ist verpflichtet, nicht nur Worte zu machen, sondern Taten folgen zu lassen, die dem Namen Christi würdig sind.
Abschließend sei gesagt, dass unsere Hoffnung nicht auf politische Parteien ruht, so wichtig sie auch sein mögen. Unsere Hoffnung ruht allein auf Jesus Christus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens. In Johannes 16,33 sagt er: – Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden! Kein menschliches System, keine Partei, keine Regierung wird jemals vollkommen sein. Aber wir sind gerufen, Salz und Licht zu sein in dieser Welt, Zeugen der Wahrheit und der Liebe Gottes.
Möge das „C“ im Namen einer Partei nicht nur ein Buchstabe sein, sondern ein Bekenntnis, das gelebt wird, das sich bewährt in der Tat, das Christus ins Zentrum stellt und die Heilige Schrift als Maßstab nimmt. Nur dann wird es seine wahre Bedeutung entfalten und zum Segen werden für das Land und seine Menschen. Amen.
Pater Berndt