Johannes verkündet die zentrale Botschaft: Gott ist reines Licht ohne jeden Schatten. Diese Wahrheit durchdringt alles und fordert uns auf, im Licht zu wandeln, wie Er im Licht ist.

1.Johannes 1,5: – Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist.

Mit diesen gewichtigen Worten leitet der Apostel Johannes den eigentlichen Kern seiner Botschaft ein. Nachdem er uns bezeugt hat, dass das ewige Leben in Jesus Christus erschienen ist und dass wir durch ihn Gemeinschaft mit dem Vater haben, kommt er nun zum Wesen Gottes selbst. – Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. Diese Aussage ist nicht eine unter vielen, nicht eine theologische Spitzfindigkeit für Gelehrte, sondern die Botschaft schlechthin, die alles andere durchdringt und bestimmt. Sie ist das Fundament unseres Glaubens, der Grund unserer Hoffnung, die Quelle unserer Heiligung.

Wer Gott erkennen will, wer in Gemeinschaft mit ihm leben will, der muss diese Wahrheit erfassen: Gott ist Licht, und in ihm ist gar keine Finsternis.

Das Bild vom Licht durchzieht die gesamte Heilige Schrift wie ein goldener Faden. Schon bei der Schöpfung war das erste Wort Gottes: – Es werde Licht! Und es wurde Licht (1. Mose 1,3). Bevor Sonne und Mond geschaffen wurden, bevor die Gestirne an das Himmelsgewölbe gesetzt wurden, sprach Gott das Licht ins Dasein. Dieses Licht ist mehr als physikalische Helligkeit, mehr als elektromagnetische Wellen. Es ist Ausdruck der Gegenwart Gottes, Zeichen seiner Herrlichkeit, Offenbarung seines Wesens. Das Licht trennt die Finsternis, schafft Ordnung im Chaos, macht sichtbar, was verborgen war. Wo Gott wirkt, da kommt Licht in die Dunkelheit, da weicht die Nacht dem Tag, da wird die Wahrheit offenbar.

Die Propheten des Alten Bundes haben dieses Licht ersehnt und verkündigt. Jesaja ruft aus: – Das Volk, das in der Finsternis wandelt, hat ein großes Licht gesehen; über den Bewohnern des Landes der Todesschatten ist ein Licht aufgeleuchtet (Jesaja 9,1). Diese Verheißung erfüllt sich in Jesus Christus. Er selbst sagt von sich: – Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben (Johannes 8,12). Christus ist nicht bloß ein Lichtbringer, nicht ein Verkünder der Wahrheit unter anderen, sondern das Licht selbst. In ihm begegnet uns Gott, der von Ewigkeit her Licht ist. – Gott ist Licht bedeutet also zugleich: Christus ist das Licht, das in die Welt gekommen ist, um die Finsternis zu vertreiben.

Was aber bedeutet es, dass Gott Licht ist? Johannes erklärt es uns durch den Gegensatz: – In ihm ist gar keine Finsternis. Diese Aussage ist von äußerster Radikalität. Nicht etwa, dass in Gott wenig Finsternis ist, nicht dass er überwiegend Licht ist, sondern dass in ihm gar keine, überhaupt keine, nicht die geringste Finsternis zu finden ist. Gott ist absolut rein, vollkommen heilig, durch und durch wahrhaftig. In ihm gibt es keine Lüge, keine Heuchelei, keine verborgene Bosheit, keinen Schatten von Ungerechtigkeit. – Gott ist Licht, und in ihm ist gar keine Finsternis ist die kürzeste und schärfste Definition der Heiligkeit Gottes, die uns die Heilige Schrift gibt.

Der Prophet Habakuk bezeugt es: – Deine Augen sind so rein, dass sie das Böse nicht ansehen können; du kannst dem Unheil nicht zuschauen. Warum siehst du denn den Frevlern schweigend zu, während der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als er? (Habakuk 1,13). Gott kann nicht mit der Sünde in Gemeinschaft treten, kann nicht das Böse dulden, kann nicht die Finsternis in sich aufnehmen.

Diese Wahrheit hat weitreichende Folgen für unser Verständnis von Gemeinschaft mit Gott. Wenn Gott reines Licht ist, dann können wir nur dann in Gemeinschaft mit ihm leben, wenn auch wir im Licht wandeln. Die Finsternis der Sünde trennt uns von Gott, errichtet eine Mauer zwischen ihm und uns, macht uns unfähig, vor seinem Angesicht zu bestehen. – Nein, eure Vergehen haben die Mauer gebaut, die zwischen euch und eurem Gott steht. Eure Sünden verhüllten sein Gesicht, dass er euch auch nicht anhören will (Jesaja 59,2). Solange wir in der Finsternis der Sünde verharren, solange wir das Böse lieben und die Wahrheit meiden, solange können wir keine wahre Gemeinschaft mit Gott haben. Das ist eine harte Botschaft, eine Botschaft, die uns zunächst erschrecken und beschämen muss. Denn wer von uns kann behaupten, völlig ohne Finsternis zu sein? Wer von uns kann sagen, dass in seinem Herzen keine verborgenen Gedanken, keine unreinen Begierden, keine selbstsüchtigen Motive wohnen?

Doch gerade diese Verdrehung – diese sanfte, aber tödliche Verharmlosung der Sünde – ist selbst ein Werk der Finsternis. Heute wird oft gesagt: Gott sieht deine Sünde nicht mehr, sie spielt keine Rolle, du darfst bleiben, wie du bist, denn Gott ist Liebe. Aber eine Liebe, die die Wahrheit verschweigt, ist keine Liebe, sondern Selbsttäuschung. Eine Gnade, die nicht zur Umkehr ruft, ist keine Gnade, sondern billige Beruhigung. Wenn Gott Licht ist, dann ist seine Liebe ein heiliges, reinigendes, aufdeckendes Licht. Sie duldet nicht die Finsternis, sondern vertreibt sie. Wer behauptet, man könne in der Sünde bleiben und dennoch Gemeinschaft mit Gott haben, der predigt nicht das Evangelium Jesu Christi, sondern ein bequemes, menschengemachtes Gottesbild, das uns nicht rettet, sondern uns einschläfert.

Die wahre Liebe Gottes ruft uns heraus aus der Finsternis; nicht hinein in eine religiöse Selbstbestätigung. Sie ruft uns zur Buße, zur Wahrheit, zum Licht.

Die Heilige Schrift bezeugt unmissverständlich die Finsternis unseres natürlichen Zustandes. Paulus schreibt: – Denn ihr wart einst Finsternis; jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts! (Epheser 5,8). Wir waren Finsternis, nicht bloß in der Finsternis, sondern selbst von Finsternis durchdrungen, bestimmt von der Macht der Sünde, gefangen in der Dunkelheit unserer gottlosen Existenz.

Unser Heiland Jesu sagt es selbst: – Darin aber besteht das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden (Johannes 3,19-20). Der natürliche Mensch scheut das Licht, weil es seine Sünde offenbart, weil es sein wahres Wesen enthüllt, weil es ihn zur Rechenschaft zieht. Lieber bleibt er in der trügerischen Sicherheit der Finsternis, wo niemand sieht, was er tut, wo er sich selbst belügen kann, wo er meint, ungestraft davonzukommen.

Doch Gott lässt uns nicht in dieser Finsternis. Das ist die frohe Botschaft, das Evangelium, die gute Nachricht, die Johannes verkündigt. Gott selbst ist als Licht in unsere Finsternis gekommen. – Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen (Johannes 1,5). Christus ist in die Welt eingetreten, um uns aus der Finsternis zu erretten, um uns zu erleuchten, um uns zu reinigen. Er hat nicht in der Finsternis Gemeinschaft mit uns gesucht, sondern er hat uns ins Licht gerufen.

Der Apostel Petrus schreibt: – Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, damit ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht (1. Petrus 2,9). Diese Berufung geschieht durch das Evangelium, durch die Verkündigung des Wortes Gottes, durch das Wirken des Heiligen Geistes. Wo das Wort Gottes gepredigt wird, da scheint Licht in die Finsternis. – Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg (Psalm 119,105). Das Wort deckt auf, was verborgen ist, es entlarvt die Sünde, es zeigt uns unser wahres Elend, aber es weist uns zugleich auf den Retter hin, der für uns gekommen ist.

Am Kreuz von Golgatha geschah das Unbegreifliche: Der, in dem gar keine Finsternis ist, nahm unsere Finsternis auf sich. Christus, das Licht der Welt, wurde für uns zur Sünde gemacht, wie Paulus schreibt: – Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden (2. Korinther 5,21). Als Jesus am Kreuz hing, da wurde es finster über das ganze Land von der sechsten bis zur neunten Stunde (Matthäus 27,45). Diese Finsternis war nicht nur ein Naturereignis, sondern ein Zeichen für das, was auf Christus lastete: die Sünde der ganzen Welt, die Finsternis aller Menschen, die Schuld von Jahrtausenden. In dieser Stunde trug er unsere Strafe, erlitt er unseren Tod, durchschritt er die tiefste Gottverlassenheit. – Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Matthäus 27,46). Der, in dem keine Finsternis ist, wurde für uns in die Finsternis gestoßen, damit wir ans Licht kommen konnten.

Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat Christus die Macht der Finsternis gebrochen. – Die Mächte und Gewalten, die diesen Schuldschein gegen uns geltend machen wollten, hat er entwaffnet und vor aller Welt zur Schau gestellt, er hat sie in seinem Triumphzug mitgeführt – und das alles in und durch Christus (Kolosser 2,15). Der Teufel, der Fürst der Finsternis, ist besiegt. Die Sünde, die uns in Finsternis gefangen hielt, ist gesühnt. Der Tod, der letzte Feind, ist überwunden. Nun ist der Weg frei, dass wir aus der Finsternis ins Licht treten können, dass wir Gemeinschaft haben können mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Diese Gemeinschaft ist nicht unser Verdienst, sondern Gottes Geschenk, nicht unsere Leistung, sondern seine Gnade, nicht unsere Gerechtigkeit, sondern die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben an Christus kommt.

– Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde (1. Johannes 1,7). Dieser Vers, der unmittelbar auf unseren Text folgt, zeigt den Weg: Wir müssen im Licht wandeln. Das bedeutet nicht, dass wir sündlos sein müssen, um Gemeinschaft mit Gott zu haben. Das wäre unmöglich, denn – wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns (1. Johannes 1,8). Nein, im Licht wandeln bedeutet, dass wir nicht länger die Finsternis lieben, dass wir nicht länger unsere Sünden verbergen und rechtfertigen, sondern dass wir sie ans Licht bringen, dass wir sie bekennen, dass wir Buße tun und uns an Christus klammern, dessen Blut uns von aller Sünde reinigt.

Im Licht zu wandeln heißt, in der Wahrheit zu leben. Jesus sagt: – Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zum Licht, damit seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott getan sind (Johannes 3,21). Die Wahrheit tun bedeutet, aufrichtig zu sein vor Gott und Menschen, nichts zu verheimlichen, keine Masken zu tragen, keine frommen Fassaden aufzubauen. Es bedeutet, ehrlich mit unserer Schuld umzugehen, ehrlich mit unseren Schwächen, ehrlich mit unserem Versagen. Aber es bedeutet auch, ehrlich mit der Gnade umzugehen, die uns in Christus geschenkt ist, ehrlich mit der Vergebung, die uns täglich neu zugesprochen wird, ehrlich mit der Hoffnung, die uns trägt.

Die Botschaft, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist, ruft uns also zu einem Leben in der Heiligung. Der Apostel Paulus ermahnt: – Und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, deckt sie vielmehr auf (Epheser 5,11). Wir können nicht gleichzeitig im Licht wandeln und in der Finsternis leben, können nicht Gemeinschaft mit Gott haben und zugleich die Sünde pflegen, können nicht Kinder des Lichts sein und dennoch die Werke der Finsternis tun.

Wir müssen uns entscheiden. Gott duldet keine Doppelmoral, kein Hin- und Herpendeln zwischen Licht und Finsternis. Die Heilige Schrift ist unmissverständlich: Niemand kann zwei Herren dienen, niemand kann zugleich das Licht suchen und die Finsternis lieben. Ein geteiltes Herz ist ein verlorenes Herz. Wenn wir meinen, wir könnten Gott die Ehre geben und gleichzeitig die Werke der Finsternis festhalten, betrügen wir uns selbst. Heiligung ist kein optionaler Zusatz, sondern der Weg, den jeder gehen muss, der Gemeinschaft mit dem heiligen Gott haben will. Das Licht fordert uns heraus, es ruft uns zur Klarheit, zur Entscheidung, zur Abkehr von allem, was uns von Gott trennt. Wer im Licht leben will, muss die Finsternis verlassen – ganz, nicht halb.

– Denn ihr wart einst Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts (Epheser 5,8). Diese Ermahnung ist keine Gesetzlichkeit, keine Knechtschaft, sondern Ausdruck der neuen Wirklichkeit, die Christus für uns geschaffen hat. Wir sind Licht in dem Herrn, und deshalb sollen wir auch als Kinder des Lichts leben.

Was heißt das konkret für unseren Alltag? Es heißt zunächst, dass wir uns täglich vom Wort Gottes erleuchten lassen. Die Bibel ist die Lampe, die unseren Weg erhellt, die uns zeigt, wo wir gehen sollen, die uns vor Irrwegen bewahrt. Wo wir das Wort Gottes vernachlässigen, da tappt unser Herz im Dunkeln, da verlieren wir die Orientierung, da werden wir anfällig für die Verführungen der Finsternis. Darum ermahnt Paulus: – Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in eurem Herzen (Kolosser 3,16). Wir brauchen das tägliche Hören und Lesen der Heiligen Schrift, das tägliche Nachsinnen über Gottes Verheißungen, das tägliche Prüfen unseres Lebens am Maßstab seines Willens.

Es heißt weiterhin, dass wir im Gebet vor Gott treten. Das Gebet ist der Ort, wo wir ins Licht kommen, wo wir unsere Herzen öffnen, wo wir alles ablegen, was uns von Gott trennt. – Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit (1. Johannes 1,9). Das Bekenntnis der Sünde ist keine demütigende Pflichtübung, sondern der Weg zur Freiheit, zur Reinigung, zur Erneuerung. Wo wir unsere Schuld vor Gott aussprechen, da empfangen wir seine Vergebung, da werden wir gereinigt durch das Blut Christi, da dürfen wir aufatmen in der Gewissheit, dass uns nichts mehr trennt von der Liebe Gottes.

Und schließlich heißt es auch, dass wir als Kinder des Lichts in dieser Welt leben. Jesus sagt: – Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; so leuchtet es allen, die im Haus sind. So soll euer Licht leuchten vor den Menschen, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (Matthäus 5,14-16). Wir sind berufen, in dieser finsteren Welt Zeugen des Lichtes zu sein, nicht durch große Worte und fromme Reden, sondern durch unser Leben, durch unsere Liebe, durch unsere Wahrhaftigkeit, durch unsere Hoffnung. Wo Menschen sehen, dass wir anders leben, dass wir nicht lügen und betrügen, dass wir nicht hassen und rächen, dass wir nicht verzweifeln und resignieren, da wird das Licht Gottes sichtbar, da wird Christus verherrlicht.

Die Botschaft, dass Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist, ist zugleich Trost und Herausforderung. Trost, weil wir wissen, dass Gott klar und eindeutig ist, dass er nicht verborgen in undurchdringlicher Dunkelheit thront, sondern sich offenbart hat in seinem Sohn Jesus Christus. – Denn Gott, der dem Licht gebot, aus der Finsternis hervorzuleuchten, er hat es auch in unseren Herzen licht werden lassen, damit wir erleuchtet werden mit der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi (2. Korinther 4,6). Wir brauchen nicht im Dunkeln zu tappen, nicht rätseln, nicht zweifeln, ob Gott uns gnädig ist. In Christus ist alles klar, ist alles offenbar, ist alles gewiss, wenn wir an Christus glauben und ihn vertrauen. Er ist das Licht, das uns erleuchtet, das uns den Weg zeigt, das uns zur Wahrheit führt.

Herausforderung aber ist diese Botschaft, weil sie uns nicht in bequemer Mittelmäßigkeit leben lässt, nicht in halbherzigem Christsein, nicht in frommer Scheinheiligkeit. Wer bekennt, dass Gott Licht ist, der kann nicht gleichzeitig in der Finsternis wandeln. Wer sagt, er habe Gemeinschaft mit Gott, der muss auch im Licht leben.

Hier gibt es keine Grauzonen, kein „Wünsch dir was“, kein bequemes Sowohl-als-auch. Das Licht Gottes kennt keine Mischfarben. Wer im Licht leben will, muss sich dem Licht aussetzen – ganz. Die Finsternis lässt sich nicht mit ein wenig Frömmigkeit übertünchen, und die Sünde verliert ihre Macht nicht durch religiöse Worte oder fromme Gewohnheiten. Gott ruft uns zu einer eindeutigen Entscheidung: entweder Licht oder Finsternis, entweder Wahrheit oder Selbsttäuschung, entweder Christus oder das alte Leben. Ein geteiltes Herz kann vor Gott nicht bestehen. Seine Heiligkeit fordert Klarheit, Aufrichtigkeit, Hingabe. Wer Gemeinschaft mit dem Gott des Lichts sucht, muss bereit sein, alles zu verlassen, was das Licht verdunkelt.

– Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit (1. Johannes 1,6). Diese Worte des Johannes sind scharf wie ein zweischneidiges Schwert. Sie fordern uns heraus, ehrlich zu prüfen, ob unser Leben mit unserem Bekenntnis übereinstimmt, ob unsere Taten unseren Worten entsprechen, ob wir wirklich als Kinder des Lichts wandeln oder ob wir uns nur etwas vormachen.

In einer Zeit, in der viele Menschen religiöse Gefühle pflegen, ohne ihr Leben zu ändern, in der man gerne von Spiritualität spricht, ohne sich an Gottes Gebote zu binden, in der man Gemeinschaft mit Gott behauptet, ohne die Sünde zu lassen, ist diese Botschaft des Johannes von brennender Aktualität. Gott lässt sich nicht spotten. Er ist nicht ein nachsichtiger Großvater, der über unsere Verfehlungen hinwegsieht. Er ist Licht, heiliges, reines, durchdringendes Licht, vor dem nichts verborgen bleibt. – Alles aber wird offenbar, wenn es vom Licht aufgedeckt wird (Epheser 5,13).

Am Ende wird alles ans Licht kommen, wird alles offenbar werden, wird jeder Mensch vor dem Richterstuhl Christi erscheinen und Rechenschaft geben müssen über sein Leben. – Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl des Christus, damit jeder das empfängt, was er durch den Leib gewirkt hat, es sei gut oder böse (2. Korinther 5,10).

Doch diese Wahrheit soll uns nicht in Angst und Verzweiflung stürzen, sondern uns zur Umkehr rufen, zur Buße, zum Glauben an Jesus Christus. Denn wo wir umkehren, wo wir unsere Sünden bekennen, wo wir uns an den Heiland klammern, da empfangen wir Vergebung, da werden wir gereinigt, da dürfen wir getrost sein. Das Licht Gottes ist nicht nur ein richtendes, sondern auch ein rettendes Licht. Es deckt die Sünde auf, aber es zeigt zugleich den Weg zur Erlösung. Es erschreckt uns zunächst, aber es tröstet uns dann mit der Botschaft von der Gnade, die größer ist als alle Schuld.

Lasst uns darum festhalten an dieser Botschaft: – Gott ist Licht, und in ihm ist gar keine Finsternis. Lasst uns im Licht wandeln, wie er im Licht ist. Lasst uns die Gemeinschaft mit ihm suchen, nicht indem wir unsere Sünden verbergen, sondern indem wir sie bekennen und um Vergebung bitten. Lasst uns leben als Kinder des Lichts in dieser finsteren Welt, als Zeugen der Wahrheit, als Boten der Hoffnung, als Träger des Lichtes, das in Christus zu uns gekommen ist.

Und lasst uns ausschauen nach jenem Tag, an dem wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen werden, wo kein Schatten mehr sein wird, keine Nacht, keine Finsternis, sondern nur noch Licht, ewiges, herrliches, unvergängliches Licht. – Dann wird es keine Nacht mehr geben, sodass sie keine Beleuchtung mehr brauchen, nicht einmal das Sonnenlicht. Denn Gott, der Herr, wird über ihnen leuchten, und sie werden königlich herrschen für immer und ewig (Offenbarung 22,5). Amen.

Pater Berndt